Grenzabstände für Bäume Sträucher und einzelne Rebstöcke in Hessen sind in  § 38 geregelt.(1) Der Eigentümer und die Nutzungsberechtigten eines Grundstücks haben bei dem Anpflanzen von Bäumen, Sträuchern und einzelnen Rebstöcken von den Nachbargrundstücken – vorbehaltlich des § 40 – folgende Abstände einzuhalten:

1. mit Allee- und Parkbäumen

und zwar
a) sehr stark wachsenden Allee- und Parkbäumen,
insbesondere dem Eschenahorn (Acer negundo), sämtlichen Lindenarten (Tilia), der Platane (Platanus acerifolia), der Roßkastanie (Aesculushippocastanum), der Rotbuche (Fagus sylvatica), der Stieleiche (Quercus robur), ferner der Atlas- und Libanon-Zeder (Cedrus atlantica u. libani), der Douglasfichte (Pseudotsuga taxifolia), der Eibe (Taxus baccata), der österreichischen Schwarzkiefer (Pinus nigra austriaca)  4,00  m
,
b) stark wachsenden Allee- und Parkbäumen, insbesondere der Mehlbeere (Sorbus intermedia), der Weißbirke (Betula pendula), der Weißerle (Alnus incana), ferner der Fichte oder Rottanne (Picea abies), der gemeinen Kiefer oder Föhre (Pinus sylvestris), dem abendländischen Lebensbaum (Thuja occidentalis   2,00 m,
c)   allen übrigen Allee- und Parkbäumen   1,5 m,

2. mit Obstbäumen

und zwar
a)  Walnußsämlingsbäumen   4,00 m,
b) Kernobstbäumen, soweit sie auf stark wachsender Unterlage veredelt sind, sowie Süßkirschenbäumen und veredelten Walnußbäumen  2,00 m,
c) Kernobstbäumen, soweit sie auf schwach wachsender Unterlage veredelt sind, sowie Steinobstbäumen, ausgenommen die Süßkirschenbäume  1,5 m,

3.  mit Ziersträuchern

und zwar
a)  stark wachsenden Ziersträuchern, insbesondere der Alpenrose (Rhododendron-Hybriden), dem Feldahorn (Acer campestre), dem Feuerdorn (Pyracantha coccinea), dem Flieder (Syringa vulgaris), dem Goldglöckchen (Forsythia intermedia), der rotblättrigen Haselnuß (Corylus avellana v. fuscorubra), den stark wachsenden Pfeifensträuchern – falscher Jasmin – (Philadelphus coronarius, satsumanus, zeyheri u.a.), ferner dem Wacholder (Juniperus communis)  1,00 m,
b)  allen übrigen Ziersträuchern  0,5 m,

4. mit Beerenobststräuchern

und zwar
a) Brombeersträuchern 1,00 m,
b) allen übrigen Beerenobststräuchern 0,5 m,

5. mit einzelnen Rebstöcken 

0,5 m.

(2) Abs. 1 gilt auch für wild gewachsene Pflanzen.

Grenzabstände für lebende Hecken  § 39

(1) Der Eigentümer und die Nutzungsberechtigten eines Grundstücks haben bei dem Anpflanzen lebender Hecken von den Nachbargrundstücken – vorbehaltlich des § 40 – folgende Abstände einzuhalten:

1. mit Hecken über 2 m Höhe 0,75 m,
2. mit Hecken bis zu 2 m Höhe 0,50 m,
3.mit Hecken bis zu 1,2 m Höhe 0,25 m.
(2) Abs. 1 gilt nicht für Hecken, die das öffentliche Recht als Einfriedung vorschreibt.

Ausnahmen  § 40

(1) Die doppelten Abstände nach den §§ 38 und 39 sind einzuhalten gegenüber Grundstücken, die

1. dem Weinbau dienen,
2. landwirtschaftlich nutzbar sind oder dem Erwerbsgartenbau oder dem Kleingartenbau dienen und im Außenbereich (§ 19 Abs. 1 Nr. 3, § 35 Baugesetzbuch) liegen oder
3. durch Bebauungsplan der landwirtschaftlichen, erwerbsgärtnerischen oder kleingärtnerischen Nutzung vorbehalten sind.
(2) Die §§ 38 und 39 gelten nicht für
1. Anpflanzungen, die hinter einer Wand oder Mauer vorgenommen werden und diese nicht überragen,
2. Anpflanzungen an den Grenzen zu öffentlichen Straßen, zu öffentlichen Grünflächen und zu Gewässern,
3. Anpflanzungen auf öffentlichen Straßen.
(3) § 16 Abs. 4 und 5 des Hessischen Forstgesetzes in der Fassung vom 4. Juli 1978 (GVBl. I S. 424, 584), zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. März 1988 (GVBl. I S. 130), bleibt unberührt.

Berechnung des Abstandes  § 41

Der Abstand wird von der Mitte des Baumstammes, des Strauches oder des Rebstocks bis zur Grenzlinie gemessen, und zwar an der Stelle, an der der Baum, der Strauch oder der Rebstock aus dem Boden austritt.

Grenzabstand im Weinbau  § 42

(1) Der Eigentümer und die Nutzungsberechtigten eines dem Weinbau dienenden Grundstücks haben bei dem Anpflanzen von Rebstöcken folgende Abstände einzuhalten:

1. gegenüber den parallel zu den Rebzeilen verlaufenden Grenzen die Hälfte des geringsten Zeilenabstandes, gemessen zwischen den Mittellinien der Rebzeilen, mindestens aber 0,75 m,
2. gegenüber den sonstigen Grenzen, gerechnet von dem äußersten Rebstock oder von der Verankerung, falls eine solche vorhanden ist, 0,5 m.
(2) Übersteigt die Gesamthöhe der Rebanlage 1,8 m (Rebschnittgärten, Weitraumanlage), so beträgt der Abstand nach Abs. 1 Nr. 1 mindestens 1,5 m.

Beseitigungsanspruch, Anspruch auf Rückschnitt  § 43

(1) Einzelne Bäume, Sträucher und Rebstöcke, die den Grenzabstand nach den §§ 38 und 40, und Hecken, die den Grenzabstand nach § 39 Abs. 1 Nr. 3 und § 40 nicht einhalten, sind auf Verlangen des Nachbarn zu beseitigen. Der Anspruch ist ausgeschlossen, wenn der Nachbar nicht bis zum Ablauf des dritten auf das Anpflanzen oder die Errichtung folgenden Kalenderjahres Klage auf Beseitigung erhoben hat. Bei Bäumen, Sträuchern und Rebstöcken, die zunächst als Heckenbestandteil gezogen wurden, beginnt die Frist zu dem Zeitpunkt, zu dem die Anpflanzung das Erscheinungsbild einer Hecke verliert.

Bei wild gewachsenen Pflanzen beginnt die Frist zu dem Zeitpunkt, zu dem das Vorhandensein der Pflanzen für den Nachbarn erkennbar wird. (2) Hecken, die den Grenzabstand nach § 39 Abs. 1 Nr. 1 und 2 und § 40 nicht einhalten, sind auf Verlangen des Nachbarn auf die zur Einhaltung des Grenzabstandes erforderliche Höhe zurückzuschneiden. Die Verpflichtung zum Rückschnitt muss nur in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 15. März erfüllt werden.

Für den Anspruch auf Rückschnitt gilt Abs. 1 Satz 2 entsprechend mit der Maßgabe, dass die Frist zu dem Zeitpunkt beginnt, zu dem die Hecke den erforderlichen Abstand unterschreitet. (3) Werden für die in Abs. 1 Satz 1 genannten Anpflanzungen Ersatzanpflanzungen vorgenommen, so gelten die §§ 38 bis 42. Werden in geschlossenen Obstanlagen einzelne Obstbäume nachgepflanzt, so bleibt der Abstand der anderen Obstbäume maßgebend.

Fußnoten

Gemäß Artikel 3 des Gesetz zur Änderung des Hessischen Nachbarrechtsgesetzes und der Hessischen Bauordnung vom 10. Dezember 2009 (GVBl. I S. 631) gilt für Anpflanzungen, die bereits vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes vorhanden waren, § 43 Abs. 1 Nr. 2 in der bis zu diesem Zeitpunkt geltenden Fassung.
(Ohne Gewähr)
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Fragen und Kommentare zu "Grenzabstände in Hessen"

  1. Erich Reich sagt:

    Ich möchte einen platanenblättrigen Maulbeerbaum in meinen Hof pflanzen. An der vorgesehenen Stelle war ein uralter Nussbaum, der an Pilzbefall eingegangen ist. Der Abstand von Stamm-Mitte zur Nachbargrenze ist 3,5 m. Wie wird der Maulbeerbaum in Hessen eingestuft, reicht der Abstand oder muss ich einen Anwalt fragen?
    MfG E. Reich

    • Wenn möglich, würde ich sicherheitshalber 4 m Abstand einhalten, ansonsten besser einen Anwalt fragen. Auch die Grünflächenämter können Auskunft geben, weil sie regelmäßig mit den jeweiligen Länderbestimmungen zu tun haben.

  2. Andrea Grimm sagt:

    Hallo,
    bitte um Ihre Einschätzung zu den 2 folgenden Problemen:
    Der Nachbar hat auf seinem Grundstück zu mir einen
    ca. 60 Jahren alten Nußbaum, der mit dem nötigen Grenzabstand
    damals gepflanzt wurde. Heute hat der Nußbaum eine beträchtliche Höhe
    und ragt weit über die Grundstücksgrenze bei mir bis nahe an mein Wohnhaus.
    1. Auf meinem Grundstück befand sich schon immer ein Trockenplatz für die Wäsche
    der Hausbewohner. Inzwischen sind die Äste des Nußbaums soweit über
    über den Trockenplatz gewachsen, dass sich dort ansiedelnde Tauben durch
    den herabfallenden Taubendreck eine Benutzung des Trockenplatzes einschränken.
    2. Durch einen möglichen Blitzschlag in den Nussbaum oder durch Sturmschäden können
    an meinem Haus beträchtlich Schäden entstehen.

    Frage: Wer hat den Baumschnitt zu veranlassen und wer trägt die Kosten?
    Danke für eine Antwort.

    • Hallo,
      ich bin Gärtner! Eine verbindliche Rechtsberatung bekommen Sie beim Anwalt. Nicht mal meine unverbindliche Einschätzung kann ich Ihnen geben, weil ich die „Zumutbarkeit“ nicht beurteilen kann.
      Sehr allgemein: Zumutbare Beeinträchtigungen sind hinzunehmen, z.B. Laubfall, leichte Beschattung durch überragende Baumkrone. Dies ist im Einzelfall gerichtlich zu klären. Der mögliche Blitzeinschlag ist juristisch m.E. nicht relevant.
      Der Baumeigentümer hat den Schnitt zu veranlassen und trägt in der Regel die Kosten.

  3. j.Weller sagt:

    Hallo Herr Löwer
    Ich habe zum Nachbar ohne Grenzabstand ausgewchsene Tannen (30j) stehen.Der Nachbar möchte für besseren Fernsehemfang das ich etliche Äste entferne. Muß ich dies tun? Selbst hat er seine Schüssel tief angebracht.

    MfG J. Weller

    • Das kann ich Ihnen nicht beantworten, ohne die Örtlichkeiten zu kennen. Auch mit detaillierten Infos kann ein Anwalt eher eine verbindliche Auskunft geben. Wenn die Abstände eingehalten sind, denke ich nicht, dass der Nachbar einen Anspruch auf Rückschnitt hat. Ein freundliches Gespräch hilft vielleicht mehr, als das Recht auszuloten.

  4. Petra Schmidt sagt:

    Hallo,
    Unsere Hauswand ist teilweise die Grundstücksgrenze. Unsere Nachbarn pflanzen Sträucher und kleine Bäume als direkt, fast ohne Abstand, direkt an die Hauswand. Gelten die Abstandsregeln auch da?
    Über eine Antwort würde ich mich freuen

  5. Volkan Camadan sagt:

    Hallo ,Ich habe eine Frage:
    Ich kann hier immer nur die Abstände lesen .Was gilt den für die Höhe der Bäume?
    Wir haben ein Reihenhaus und der Nachbar hat einen Baum mit einem Abstand von 1,5 m gesetzt.
    Ich würde diesen Baum als Parkbaum einschätzen ,da er keine Früchte trägt.
    An dem Abstand habe ich nichts einzuwenden, aber an der der Höhe ! Seit der Baum gesetzt wurde ,wurde er nicht geschnitten.d.h. Er hat jetzt eine Höhe von 6 m erreicht und mein Nachbar macht keine Anstalten den Baum in der Höhe zu schneiden.
    Ich habe mal gelesen das es eine Regelung gibt die sagt : Das 2 fache des Abstand gilt als Höhe .
    Also dürfte der Baum doch nur 3 m Höhe gehalten werden und müßte zurückgeschnitten werden.
    Wie gesagt über Abstände habe ich viel gelesen ,mir geht es um die Höhe von Parkbäumen die in Reihenhäusern und dessen Gärten erlaubt sind .
    Mit freundlichen Grüßen
    Volkan Camadan

    • Hallo Herr Camadan,
      um den Baum einzuordnen, sollte die Art bekannt sein. Wenn ich von einem mäßig wachsenden Parkbaum ausgehe, ist der Mindestabstand 2 m. Sie können nicht die Beschneidung verlangen, wohl aber die Einhaltung des Mindestabstands. Aber auch bei 2 m Abstand kann eine Birke mit 15 m ziemlich lästig werden. Also m.E. können Sie nur auf die Einhaltung des Abstands bestehen. Das alles ohne Gewähr, Rechtsberatung gibt nur der Anwalt. Übrigens: Achten Sie auf die Verjährungsfristen. Die gelten ab dem Zeitpunkt der Erkennbarkeit. Aber das weiß auch der Anwalt besser.

  6. Ute Laschinski sagt:

    Hallo Herr Löwer,

    ich habe eine Frage zum Grenzabstand.
    Ich hatte mir die Vorschriften angesehen und festgestellt, dass die Bäume je nach Kategorie unterschiedlich groß werden. 4m Abstand für Bäume mit einer Höhe von mehr als 25 m, 2 m Abstand für Bäume mit mehr als 10-15 m etc.

    Unter welcher Kategorie würden Sie die Gleditsia triacanthos ‚Sunburst‘ einordnen?
    Welcher Grenzabstand sollte gewählt werden? Fällt sie unter die Kategorie für Abstände von 2 m oder unter die übrige Kategorie von einem Abstand von nur 1,50m?

    Über Ihre Rückmeldung würde ich mich freuen.

  7. Andrea Wagner sagt:

    Hallo, würden Sie mir bitte beantworten, wieviel Grenzabstand ich mit einer Säulenhainbuche zum Nachbarn lassen muss?
    Vielen Dank

    • Hallo, eigentlich sind die Bestimmungen oben eindeutig. Rechtsberatung im Einzelfall kann ich nicht geben. Nach meinem Verständnis sollten Sie für die Säulenhainbuche als Solitärbaum 2m Abstand einhalten. Doppelter Abstand bei angrenzenden Landwirtschaftlichen Flächen.

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