Welcher Rasen soll es sein?

Lassen Sie sich bei der Frage „welcher Rasen soll es sein“ nicht von wohl klingenden Namen und schönen Fotos verleiten. Gönnen Sie sich einen Qualitätsrasen, der seine Zusammensetzung ausweist. Es gibt sechs für Rasenmischungen relevante Grasarten mit zig verschiedenen Sorten. Alle haben unterschiedliche Vorzüge und Nachteile, aber auch sehr unterschiedliche Korngrößen. So hat z.B. das Weidelgras (Lolium perenne) 250 Korn je Gramm, die Wiesenrispe (Poa pratensis) aber 11 000 (!) Korn je Gramm.
Da Rasenmischungen nach Gewicht gehandelt werden, ist natürlich die Versuchung groß, bei den feinsten (und mit großem Abstand teuersten) Samen zu sparen. Dabei ist es ein himmelweiter Unterschied, ob eine Mischung 10 oder 20% Wiesenrispe enthält, ganz zu schweigen von den teuren Lizenz-Sorten wie z.B. Supranova®.

Vorsicht bei Billigmischungen

Deshalb sind in Billigmischungen überproportional viele grobe Grassamen vertreten. Solche Mischungen keimen schon nach wenigen Tagen und bilden in kurzer Zeit eine dichte Grasnarbe, die je nach Ihren Wachstumsbedingungen und Nutzung schon nach 1-2 Jahren erste Mängel zeigt.

1282Genormte Regel-Saatgutmischungen, kurz „RSM“, bieten die Gewähr, dass Sie für ihren Zweck die richtige Rasenmischung haben. Weitere Qualitätskriterien für eine Rasenmischung:
• Die Keimfähigkeit muss über 75-80% liegen. Das ist gesetzlich geregelt. Qualitätsmischungen haben in der Regel eine 10% höhere Keimfähigkeit.

• 100 % Sorten­-Reinheit ist in der Praxis nicht zu erreichen. Aber es macht schon einen Unterschied, ob die Gräser, die wir auch wirklich wollen, zu 90%    oder zu 98% tatsächlich vorhanden sind.

Letztlich ist der Kauf von Qualitätssaatgut Vertrauenssache. Ich verwende Qualitätsrasenmischungen namhafter Produzenten. Sie übertreffen die Mindestanforderungen der genormten RSM. So traue ich mich auch, deren „Hausmischungen“ zu verwenden, die keine RSM sind.

Rollrasen oder Raseneinsaat?

Übrigens stellt sich die Qualität der Rasenmischung bei Fertigrasen nicht. Denn die Rasenbauern verwenden in der Regel Qualitätsmischungen. Allerdings ist hier die Auswahl meist auf drei bis vier Rasenarten beschränkt.

Die Vor- und Nachteile von Rollrasen gegenüber der Raseneinsaat sind hier beschrieben.

Auf dieser Seite erfahren Sie etwas über die wichtigsten Rasengräser und ihre Eigenheiten.

Hier finden Sie die Informationen, wie sie den richtigen Rasen für Ihren Zweck auswählen.

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Fragen und Kommentare zu "Welcher Rasen soll es sein?"

  1. Aleksandra Chrusniak sagt:

    Hallo Herr Löwer,
    ich hoffe Sie könnten mir einen Tip geben.

    In meinen neuen Garten habe ich mit einer Wildpflanze Faden-Ehrenpreis (Veronica filiformis) experimentiert, um uns von einem Rasen zu befreien. Es war eine Neuanlage, sieht aber nicht so aus wie gewollt, eigentlich nicht nutzbar.
    Jetzt sammle ich Infos wie ich einen Rasen gestalten könnte, den man so wenig wie möglich mähen müsste.
    Die Fläche ist ca 45 m2 groß, südlich, Boden schwerlehmig, wenig nahrhaft (wenig Leben ist drin), schollig, mit relativ vielen Steinen. Wir haben den Boden nicht austauschen lassen (wg. Kosten).

    Ich bin auf „Rasensamen Mow Sever“ der Fa. Barenburg gestossen. Wäre es eine gute Lösung? Im Rasen möchte ich schon weiterhin den Faden-Ehrenpreis haben, da die Pflanze auf den Wiesen die schöne Dichte und Weichheit gibt, lang und wunderschön blau blüht. Mir gefallen Naturgärten, einen Nutzgarten fingen wir dieses Jahr an. Und wir bräuchten auch eine Fläche, wo man auch spielen und grillen könnte.
    Hätten Sie für mich einen Tip! Danke! :-)

    • Den naturnahen Extensivrasen, der gleichzeitig als Spielrasen genutzt werden kann, gibt es nicht. Insofern muss ich Sie enttäuschen. Ein langsam wachsender Spielrasen wäre der Supra-Rasen, der mindestens 5% Schafschwingel (Poa supina) enthält. Aber das ist kein Naturrasen!
      Ich habe in meinem Garten einen Teil naturnah gestaltet. Das heißt, den Rasen nicht mehr gedüngt und nur noch 3x im Jahr gemäht (erster Schnitt mit mit der Motorsense). Für die erste Mahd im Juni habe ich einen dankbaren Bauern als Abnehmer.
      So wie Sie den Boden beschreiben, könnten Sie einen Teil nach ordentlicher Bodenaufbereitung als gepflegten Spielrasen erhalten. Die Restfläche pflegen Sie extensiv. Also keine Düngung, kein mulchen, zwei bis drei Schnitte im Jahr.
      So wird sich von ganz alleine ein „Magerrasen“ entwickeln, der alle Wildkräuter enthält, die dem Standort entsprechen. Es ist nicht sinnvoll, Wildkräuter mit sehr speziellen Ansprüchen „mit Gewalt“ in einen Rasen zu integrieren.
      Mehr dazu finden Sie unter „Magerrasen“.
      Viel Erfolg!

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