Keine Frage: Die Rasenpflege bei Mähroboter-Einsatz funktioniert anders als bei herkömmlichen Rasenmähern. Warum das so ist und was zu beachten ist, besprechen wir auf dieser Seite.

Richtige Düngung bei Mähroboter-Rasen

Dass Rasen durch das ständige Mulchen nicht mehr gedüngt werden müsste, ist ein Irrglaube. Er hält sich nur deshalb so hartnäckig, weil zahlreiche Mähroboter-Blogs falsche Infos von irgendwoher zusammentragen und ungeprüft übernehmen. Bringen wir also etwas Licht ins Dunkel.

Starterdüngung im Frühjahr

DüngestreuerMit den wärmeren Temperaturen, etwa ab 10° C, beginnt der Rasen nennenswert zu wachsen. Das ist in unseren Breiten ungefähr Anfang bis Mitte März. Der Rasen kann aber noch nicht auf den abgebauten Humus als Dünger zurückgreifen. Zum einen braucht es dazu höhere Temperaturen, zum anderen einen Nährstoff-Vorrat in Form von Stickstoff. Deshalb ist im März ein Stickstoffbetonter Volldünger notwendig, um die Maschinerie der Mulchzersetzung in Gang zu bringen und gleichzeitig den Wachstumsschub zu unterstützen.

Es gibt noch einen zweiten Grund für die Starterdüngung: Vermooste Flecken, Kahlstellen und stark verfilzte Stellen im Rasen verhindern die Entwicklung der Gräser. Also gerade da, wo es nötig wäre fehlt auch der Rasenmulch zur Düngung und dieser Teufelskreis ist mit der Zusatzdüngung zu unterbrechen.

Im Sommer nur bei Bedarf nachdüngen

Durch ständiges Mulchen führen Sie dem Rasen gleichmäßig Nährstoffe zu. So bleibt der Nährstoffkreislauf geschlossen und wir müssen weniger nachdüngen. Da zur Umsetzung zu Humus ebenfalls Stickstoff verbraucht wird, können wir auch im Sommer nicht komplett auf zusätzliche Düngung verzichten. Aber im Juni/Juli reicht ein Bruchteil der sonst üblichen Menge. Ob überhaupt und wie viel zusätzlich zu düngen ist, muss eine Bodenprobe oder zumindest ein Nitrat-Test zeigen (siehe unten).

Vorsicht im Herbst

Ab Juli wächst der Rasen langsamer und bringt damit auch weniger Nährstoffe in Form von Mulch zurück. Das ist auch gut so, denn die Gräser sollten nicht zu weich und damit anfällig für Pilzkrankheiten in den Winter kommen. Deshalb bekommt der Rasen ab September nur noch wenig, ab Oktober keinen Stickstoff mehr. (Siehe Rasendüngung – die Praxis)

In der klassischen Rasenpflege, also wenn dem Rasen die organische Masse entzogen wird, ist im Oktober eine Kalidüngung angesagt. Durch das Mulchen über den Sommer ist vermutlich genügend Kali im Boden, weil Kali kaum ausgewaschen wird. Auch hier gibt eine Bodenanalyse Auskunft über die Notwendigkeit einer Herbstdüngung.

Ich schicke meinen Mähroboter ab Ende September in den Winterurlaub und erledige die letzten zwei Schnitte mit dem guten alten Motormäher. So kommt kein Nährstoff mehr in den Boden und die Gräser können für den Winter abhärten.

Bodenaktivator zur pH-Regulierung

Zur besonderen Rasenpflege bei Mähroboter-Einsatz gehört die Kontrolle des pH-Wertes. Vom Kompostieren wissen Sie, dass die Zersetzung organischer Substanz den Boden säuert. Deshalb sind Zusätzliche Kalkgaben notwendig.

Beim Mulchen passiert genau das gleiche. Die Zersetzung organischer Substanz senkt den pH-Wert deutlich. Dieser Übersäuerung wirken Sie mit Magnesiumkalk entgegen. Die Aufwandmenge und die Häufigkeit richtet sich nach dem Messergebnis. Etwa ein bis drei Gaben mit 100 Gramm je Quadratmeter sollten den pH-Wert auf 5,5 bis 6,5 halten. Wie Sie den pH-Wert selbst messen, lesen Sie im Beitrag „Rasen düngen – die Grundlagen„.

Der Handel bietet spezielle Rasendünger beim Einsatz von Mährobotern an. Auch die viel gepriesenen Bodenaktivatoren sind sinnvoll. Aber bei genauerem Hinsehen ist Magnesiumkalk der Hauptinhaltsstoff und den bekommen Sie im Landhandel fürs halbe Geld.

Nitratmessung und Bodenproben

Ich empfehle Ihnen sehr, in den ersten beiden Jahren mindestens eine Bodenanalyse durchführen zu lassen und zur kurzfristigen Kontrolle zwei Nitratmessungen selbst durchzuführen. Nur so können Sie zuverlässig beurteilen, ob noch nachzudüngen ist. Mit der Zeit wächst Ihre Erfahrung und Sie kennen ihren Boden schon. Dann reicht eine Analyse alle drei Jahre.

Wie sie Bodenproben ziehen und einen Nitrattest durchführen, ist im Beitrag „Rasen düngen – die Grundlagen“ beschrieben.

Bei Amazon finden Sie verschiedene Bodentest für pH-Wert und Nitrat zum selbst testen.

Zusätzlich entziehe ich dem Boden organische Substanz durch das Lüften des Rasens.

Mähroboter-Rasen lüften

Das Vertikutieren ist hier ausführlich beschrieben. Ich empfehle es eher im Frühjahr und auch nur, wenn es nötig ist.

Rasenlüfter GardenaBeim Mulchen kommt dem Rasen lüften eine besondere Bedeutung zu. Überraschend ist, dass dieses Rasen lüften gar nicht so verbreitet praktiziert wird und oft schlicht unbekannt ist. Deshalb will ich kurz beschreiben, wie es funktioniert.

Die meisten Vertikutiergeräte werden bereits mit einer sogenannten „Lüfterwalze“ ausgeliefert. Diese Walze ist mit etwa 5-8cm langen Federzinken ausgestattet und wird gegen die starre Vertikutierwalze ausgetauscht. Die Wirkung ist verblüffend und überzeugend zugleich: Die Lüfterwalze holt nämlich doppelt so viel Moos und loses Material aus der Grasnarbe wie der Vertikutierer. Und das im „Schongang“! Für den Rasen ist das Lüften nämlich eine Wohltat und belastet ihn nicht – im Gegensatz zum Vertikutieren. Rasenlüfter sind auch als kleine, eigenständige Elektrogeräte im Handel.

Rasenlüfter mit FederzinkenEs gibt zwei gute Gründe, den Rasen beim Einsatz eines Mähroboters zu lüften:

  • Von April bis Juni wächst der Rasen oft schneller, als der Rasenschnitt verrotten kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn Niederschlag fehlt. Inspizieren Sie die Grasnarbe genau. Liegt am Grund älterer, unverrotteter Rasenmulch, dann sollten Sie den Rasen lüften und dem Boden so wieder Luft zum atmen geben. Das wird das Bodenleben unterstützen und damit letztlich den Umsetzungsprozess.
  • Ende September empfehle ich, den Roboter für den Rest des Jahres einzumotten. Dann ist eine gute Zeit zum Rasen lüften. Diesmal aus zwei Gründen: erstens wegen der Durchlüftung und Belebung des Bodens. Zweitens zum Entzug überschüssiger Nährstoffe, die jetzt nicht mehr erwünscht sind. Der Rasen soll gefestigt in den Winter gehen und deshalb nicht mehr schnell wachsen.

Braucht man mit Rasenrobotern noch den Sichelmäher?

Sie haben Sicher aufmerksam gelesen und schon bemerkt, dass ich auf den konventionellen Mäher nicht verzichten will. Allen Argumenten für einen konventionellen Zweitmäher ist gemeinsam, dass diese Mäher eine ausreichende Sogwirkung erzielen. Diese Eigenschaft fehlt dem Mähroboter Bauart bedingt. Und es gibt einige gute Gründe dafür, vor allem wenn Sie einen optimalen Rasen erzielen möchten:

  • Blüten im Frühjahr und Laub im Herbst müssten von Hand abgerecht werden. Das erledige ich mit dem handgeführten Rasenmäher viel bequemer und schneller.
  • Im Mai/Juni, wenn der Rasen zu schnell wächst, stelle ich den Roboter gerne mal für eine Woche ab und mähe mit dem Motormäher, um überschüssigen Rasenmulch zu entfernen. Das gleiche gilt ab Ende September. Die letzten 2-3 Mähgänge erledige ich mit dem Handmäher, wie schon beschrieben.
  • Eine Mahd zwischendurch mit dem konventionellen Mäher mindert das ungewollte, einjährige Rispengras. Es wächst mit langen Halmen sehr flach und samt sich früh aus. Der Sog des Motormähers zieht die Halme hoch und mäht sie ab. Gleichzeitig kann er frischen Samen aufsaugen.
  • Nach dem Rasen Lüften ist das herausgearbeitete Material abzurechen. Aber das nehme ich nicht so genau. Die Feinheiten erledige ich auch hier mit dem Motormäher. Das macht der viel schneller und sauberer als ich es von Hand kann.
  • Größere Nachsaat-Stellen sollten vom Mähroboter verschont bleiben. Besonders bei feuchtem Boden kann der Mähroboter Schäden verursachen, weil die Grasnarbe noch nicht trägt. Die ersten zwei bis drei Schnitte übernehmen Sie deshalb besser mit dem konventionellen Motormäher.

Fazit: Die besondere Rasenpflege bei Mähroboter-Einsatz ist sinnvoll und notwendig, wenn Ihnen ein gesunder, dichter Rasenteppich mit sattgrüner Farbe wichtig ist.

Viel Erfolg!