GroßbäumeKlimawandel unter Bäumen? Nein, das ist kein Roman. Es ist ein Strohalm, der uns die Auswirkungen des Klimawandels erträglicher macht, manchen vielleicht sogar das Leben rettet.

Keine Angst, ich werde das Schreckensszenario jetzt nicht wiederholen, das uns die Klimaforscher seit Jahren prophezeien, wenn wir uns nicht bessern. Und das werden wir nicht, jedenfalls nicht freiwillig. Jeder ist dagegen aber keiner will zurückstecken. Also: Rüsten wir uns gegen subtropische Verhältnisse, abwechselnd mit Dürreperioden und extremen Wetterereignissen.

Flucht aus den Großstädten

Die Ballungszentren trifft es zuerst: Die Hitze in den Betonwüsten wird unerträglich. Smog kommt hinzu. Das Großgrün als grüne Lunge könnte Schatten spenden, Sauerstoff produzieren, ein angenehmeres Kleinklima schaffen – wenn wir die vielen Bäume nur hätten.

Die Folgen sind absehbar: Die Menschen werden die ödesten Großstädte zuerst verlassen und hinaus auf Land ziehen. Ins Grüne! Verlassene Dörfer werden wieder attraktiv, neu belebt von denen, die sie vierzig Jahre zuvor verlassen haben.

Was können wir tun?

Dass wir unser Leben ändern müssten, ist jedem klar – eigentlich und irgendwie. Weniger Fleischverzehr, weniger reisen, bewusster leben. Kurz: den grünen Fußabdruck in den Griff bekommen.

Da das keiner tut, bleibt eine Notlösung: Wir müssen der Erderwärmung mit all ihren Unbilden ins Auge sehen. Konkrete Gefahren verlangen nach konkreten Lösungen. Angesichts des anhaltenden Bevölkerungsdrucks auf unsere Ballungszentren ist das eine Herausforderung für die Städteplaner: Sie müssen wachsenden Flächenbedarf mit den Anforderungen auf den Klimawandel zusammen bringen.

Der Deutsche Städtetag hat u.a. einige Lösungen formuliert, die mir besonders aufgefallen sind:

  • Schaffung von Retentionsflächen
  • Entsiegelung bebauter Flächen
  • Anlage von „grünen Lungen“
  • Fassaden- und Dachbegrünungen
  • Schärfung des Bewusstseins in der Bevölkerung

Lesen Sie hier die Studie des deutschen Städtetags über die Anpassung der Städte an den Klimawandel

Das Helmholtz-Zentrum Potsdam stellt hier weitere Lösungsvorschläge bereit.

Schaffung von Retentionsflächen und Entsiegelung

Sintflutartige Regenfälle, wie wir sie in den letzten Jahren immer öfter erlebten, werden zunehmen. Keller unter Wasser, Straßen überschwemmt und unpassierbar, das Regenwasser läuft ungenutzt ab. Es ist das Ergebnis fehlenden Umweltbewusstseins. Wir verdichten, versiegeln und opfern Ressourcen für das „Wachstum“.

Retentionsflächen nehmen das Wasser auf, das die Kanalisation nicht fasst. Das können groß angelegte Gräben in Verbindung mit Seen oder Auen sein oder kleinräumig verteilte, multifunktionale Parzellen, die zur Flutung vorzusehen sind, z.B. Parks und sonstige Grünflächen, Grill-, Spiel- oder Parkplätze.  Diese Flächen geben das Wasser kontrolliert wieder ab, sodass ein Puffer entsteht. So bleiben Verwüstungen durch Überschwemmung die Ausnahme und das kostbare Wasser kann anschließend verwendet werden.

Versiegelte Flächen sind aufzubrechen, wo es möglich ist. Parkplatzflächen werden mit breiten Fugen verlegt, in denen bei entsprechendem Unterbau das Wasser versickern kann.

Die beliebten Schotterbeete in den Vorgärten heizen sich auf und bieten keinerlei Puffer bei Starkregen. Eine bodendeckende Bepflanzung nimmt mehr Wasser auf und hilft im kleinen Rahmen, Extemsituationen zu bestehen.

Anlage von grünen Lungen

Große Parks, Stadtwälder und Grünanlagen dienen nicht nur der Erholung. Sie werden in Zukunft überlebenswichtig sein. Es sind Kleinklima-Oasen, die durch die Verdunstungskälte messbar kühler sind als Betonwüsten und aufgrund ihrer Sauerstoff-Produktion und Ihrer Wirkung als Luftfilter wahre Wunder vollbringen.

Alleen, die in den letzten 50 Jahren aus Kostengründen gefällt oder gar nicht angelegt wurden, werden an Bedeutung gewinnen. Nicht nur auf Überlandstraßen, sondern besonders in den Ballungszentren. Jeder sucht den Schatten aber die wenigsten Bürger möchten die Bäume vor ihrer Haustür haben. Hier ist eine Bildungsoffensive notwendig, die den Menschen die Notwendigkeit von Großgrün in den Städten begreiflich macht.

Fassaden- und Dachbegrünung

Dachgärten sind Heute in ihrem technischen Aufbau ausgereift und immer beliebter. Auch hier geht es nicht nur um optische Maßnahmen um des Grüns willen. Vielmehr dienen sie als Puffer bei Starkregen, weil Dachgärten Wasser aufnehmen und über die Pflanzen langsam wieder abgeben können. Außerdem mildern sie die Aufheizung in Hitzeperioden ab.

Die Begrünung von Hausfassaden ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Was vor 100 Jahren beinahe selbstverständlich war, gilt heute als „unsauber“. Die Angst vor Insekten, die über das Fassadengrün in die Wohnung kommen kann, ist immer noch größer als die Erkenntnis, dass z.B. ein Wilder Wein an der Südseite viel effizienter kühlt als jede Kunststoff-Isolierung. Ganz abgesehen vom Aufwand und von der Kleinklimatischen Bedeutung.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.