Rasen erneuert

Die Mischung macht’s

Die richtige Rasenmischung ist die Voraussetzung, dass er auch seinen Zweck erfüllt. Denn jedes Gras hat seine spezifischen Eigenschaften. Es ist besonders trittfest oder verträgt Trockenheit, zeichnet sich aus durch dichte Narbe oder langsamen Wuchs, oder es fällt auf durch sein sattes Grün bei feiner Teppichbildung. Die 5 wichtigsten Rasengräser finden Sie in diesem Beitrag.

Nun besteht die Kunst darin, durch die richtige Mischung der Gräser ein optimales Ergebnis für den jeweiligen Zweck zu erzielen.

Die Regelsaatgutmischungen (RSM)

Standen Sie schon mal vor dem prall gefüllten Saatgutregal im Baumarkt und vor der Entscheidung, die richtige Rasenmischung auszuwählen? Das Angebot ist kaum zu durchschauen: Da werden die schönsten Bilder aufgedruckt und der super-ultimativ-tolle Wunderrasen versprochen. Die wenigsten Anbieter legen die Gräserzusammensetzung offen. Aber gerade das ist für Fachleute das wichtigste Kriterium.

Es gibt eine sehr zuverlässige Hilfe für Sie. Die Gräsermischungen für die häufigsten Verwendungszwecke sind nämlich in genormten, sogenannten Regelsaatgut-Mischungen, kurz RSM beschrieben. In der RSM ist genau festgelegt, wie die Mischung zusammengesetzt ist. Also welche Gräserarten mit welchen Anteil Gewichtsprozent inder Mischung vertreten ist.

Eine RSM-Mischung gibt Ihnen die Gewähr, dass sowohl Sortenreinheit und Qualität, als auch die Zusammensetzung den genormten Richtlinien entspricht. Suchen Sie also gezielt nach RSM… – Mischungen. Nachfolgend finden Sie die RSM-Bezeichnung für den Rasentyp, den Sie suchen.

Nähere Informationen zu Regelsaatgutmischungen finden Sie bei der Deutschen Rasengesellschaft e.V.

Zierrasen

Hier steht der Zierwert im Vordergrund (Regelsaatgutmischung 1.1.1). Mit diesen Mischungen erreichen Sie eine super dichte Grasnarbe mit feinen Gräsern und sattgrüner Farbe.
Allerdings ist Zierrasen nicht besonders strapazierfähig. Er wird für anspruchsvollen Rasen im Hausgarten und für repräsentative Flächen verwendet
Zierrasen erfordert einen relativ hohen Pflegeaufwand, d.h. regelmäßiger, kurzer Schnitt (Ca. 30-40 Schnitte pro Jahr) und regelmäßiges düngen, beregnen und vertikutieren. Feinblättrige Gräser wie Rotschwingel in Sorten dominieren in der Zierrasenmischung. Es ist die richtige Rasenmischung für höchste, optische Ansprüche.

Gebrauchsrasen

Gebrauchsrasen  (Regelsaatgutmischung 2.3) soll im Prinzip alle positiven Eigenschaften vereinen: Hoher Zierwert bei möglichst geringem Pflegeaufwand und hoher Belastbarkeit.
Der Wunsch ist zwar verständlich, aber nicht realistisch; schließlich haben wir es mit lebenden Pflanzen zu tun. Sie haben nun mal ihre Ansprüche und Empfindlichkeiten. So wird ein Gebrauchsrasen immer ein Kompromiss sein zwischen dem Zierrasen und dem extrem strapazierfähigen Sportrasen.

Er bildet eine dichte, strapazierfähige Narbe, ist trittfest und tolerant gegen Trockenheit. Er nimmt es nicht übel, wenn die Kinder darauf toben oder Sie ihn als Liegewiese benutzen. Durch ein breites Spektrum verschiedener Grasarten ist der Gebrauchsrasen tolerant gegenüber Extremsituationen und nimmt auch Pflegefehler nicht so übel wie zum Beispiel der Zierrasen.
Gebrauchsrasen ist in unterschiedlichen Mischungen für bestimmte Zwecke erhältlich:
Der Spielrasen ist mehr auf eine starke Belastung ausgerichtet. Dicht, pflegeleicht und robust. Er wird im öffentlichen Grün, in Parks oder Schwimmbädern, genauso verwendet wie im Hausgarten. In meiner Praxis ist es der Allround-Rasen, den ich zu 95 % verwende. Für besonders trockene Lagen gibt es Mischungen mit einem hohen Anteil an Rotschwingel und Schafschwingel. Das geht allerdings auf Kosten der Strapazierfähigkeit.

Amazon-Angebote, gezielt gesucht nach RSM Mischungen.

Supra-RasenDSCN3467

Fachlich gesehen ist Suprarasen (Regelsaatgutmischung 2.3.1) nichts anderes als ein Gebrauchsrasen mit hohem  Anspruch. Dass ich ihm hier eine eigene Überschrift gönne, liegt daran, dass der Name in aller Munde ist. Zu recht: Durch die Beimischung von 5% Lägerrispe (Poa supina) wird die Grasnarbe dichter, belastbarer, schattenverträglicher und trockenheitsresistenter gegenüber der einfachen Gebrauchsrasenmischung.

Das Foto rechts wurde ca. 10 Tage nach dem Schnitt aufgenommen und zeigt im vorderen Bereich Gebrauchsrasen mit Poa supina RSM2.3.1 und im hinteren Bereich die Regelsatgutmischung RSM 2.3 (ohne Poa supina). Es ist deutlich zu erkennen, dass die RSM 2.3.1 etwas feiner wirkt, deutlich niedriger ist, dafür aber dichter in der Narbe.

Diese Rasenmischung verlangt einen regelmäßigen Schnitt, sonst neigt sie schnell zu Ausfällen und damit zur Bildung von Kahlstellen, die durch unerwünschte Arten geschlossen werden. Bei Regelmäßiger Pflege kann ich sehr zu dieser Mischung raten.

Schattenrasen

Supra­Rasen ist zur Zeit in aller Munde. Es ist eine ausgewogene Mischung mit breitem Spektrum und beinhaltet das Lägergras (Poa supina). Dieses Gras hat sich in umfangreichen Versuchen durch eine gute Schattenverträglichkeit bei dichter Grasnarbe und sehr guter Regenerationsfähigkeit hervorgetan.

Poa supina in der Lizenzsorte „Supranova“ ist in vielen modernen Schattenrasen-Mischungen enthalten. Allerdings stellt Rasen in schattigen Lagen höhere Ansprüche an die Düngung, die Bewässerung und die Schnitthäufigkeit. Bei Schattenrasen ist auch zu beachten, dass er nicht so tief gemäht werden darf (6cm), um die Gräser nicht über Gebühr zu schwächen.

Machen Sie sich aber keine falschen Hoffnungen! Auch Schattenrasen braucht Licht. Im Halbschatten wird er noch recht gut gedeihen (zum Beispiel unter einem hochkronigen, freistehenden Baum). Selbst da wird verstärkt Moos aufkommen, denn Moos und Schatten gehören zusammen.
In vollem Schatten rate ich Ihnen vom Rasen ab. Eine gute Alternative ist die Bepflanzung mit Schatten verträglichen Gehölzen und
Stauden, die im Schatten prächtig gedeihen. So können Sie gerade solche dunklen Ecken zu einer wunderbaren Oase machen. Obendrein ist eine gut abgestimmte Bepflanzung, besonders bei kleinen Ecken, bei weitem nicht so pflegeintensiv.

Blumenwiese

Eine Blumenwiese ist ökologisch wertvoll.Die Blumenwiese ist im Hausgarten die Ausnahme, mit gutem Grund. Der hohe Kräuteranteil ist nicht zum Gebrauch geeignet. Die Wiese ist etwas für Naturliebhaber, die eine ungenutzte Fläche mit Leben erfüllen wollen. Gleichzeitig erfreuen Sie sich am Wechselspiel der Farben und an der reichen Wiesenfauna, die sich einstellen wird. Sie können Ihren Rasen ganz wesentlich durch die Pflege steuern. Bei sehr seltenem Mähen und ohne Zuführung von Düngern stellen sich ganz von selbst eine Vielzahl standortgerechter Blütenkräuter ein – was die Natur so alles kann…  Mehr zur Blumenwiese

Landschaftsrasen

Ich will den Landschaftsrasen hier nur der Vollständigkeit halber erwähnen. Er hat im Hausgarten praktisch keine Bedeutung. Es sind Gräsermischungen, die sehr langsam wachsen und trockenheitsresistent sind. Sie sind zum Gebrauch ungeeignet und werden extensiv gepflegt mit:

Nachsaatmischungen

Meist verabschieden sich in Problemfällen zuerst die Horst bildenden Grasarten; Rhizombildner können sich leichter regenerieren. Im Handel werden spezielle Nachsaat-Mischungen angeboten, die mit einem höheren Anteil Horst bildender Gräser ausgestattet sind (Lolium perenne, Festuca, aber auch Poa supina). So können Sie die Lücken schnell wieder schließen.

Sonderformen

Für belastbare Flächen, z.B. KFZ-Stellplätze oder Zufahrten gibt es zwei Möglichkeiten:
Rasengittersteine sind eine altbewährte Form von „belastbarer Vegetationsflächen“. Im Handel werden sie in 8 und 10cm Stärke angeboten.
Natürlich brauchen Sie einen soliden Unterbau, damit die Rasengitter nach einigen Jahren nicht zur „Hügelpiste“ werden. Hier ist besondere Sorgfalt geboten.
Ein Beispiel für den Unterbau einer Tragschicht für Rasengittersteine, belastbar für PKW bis 3,5 to.:
Aushub 33 cm unter Fertighöhe und den Untergrund ausreichend verdichten. Für „leichten Verkehr“ reichen 20 cm Tragschicht aus Schotter, Körnung 16-32mm. Die Tragschicht ist also ohne „Nullkorn“ und deshalb Wasserdurchlässig. Anschließend kommt die Rüttelplatte wieder zum Einsatz. Ein Vlies verhindert, dass der feinere Splitt in die Hohlräume rieselt. 5 cm Splitt, Körnung 4-6mm, sind die Auflage für die Gittersteine. Nochmal ein Vlies, damit die Erde nicht im Splitt versickert. Schließlich verlegen Sie die 8 cm starken Beton-Gittersteine und rütteln die Fläche wieder ab.

Der Rasengitterstein wird immer mehr durch Kunststoffgitter ersetzt, das ebenso belastbar, aber leichter zu verlegen ist. Nachteil ist, dass diese Gitter meist nur 4-5 cm stark sind und deshalb der Boden schneller austrocknet. Kunststoffgitterplatten 40x60cm.
Schotterrasen will ich nur der Vollständigkeit halber erwähnen, weil er im privaten Bereich kaum eine Rolle spielt. Hier wird ein sandiger Oberboden in festgelegtem Mischungsverhältnis mit Schotter vermischt und erhält so eine beschränkte Belastbarkeit. Der Nachteil von Gittersteinen wie Schotterrasen ist, dass eine Regeneration, z.B. durch vertikutieren, nicht möglich ist.

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Hans Löwer
Author: Hans Löwer

Dieser Beitrag stammt von Gärtnermeister Hans Löwer.

Fragen und Kommentare zu "Die richtige Rasenmischung"

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