Sträucher richtig schneiden ist gar nicht so schwer, wenn Sie die wichtigsten Regeln beachten.

Der beste Zeitpunkt

Die meisten Ziersträucher können Sie ganzjährig schneiden. Während der Wachstumszeit verschließt der Strauch die Wunde besser. Das ist aber bei normalen Schnittarbeiten, also bei Astschnitten unter fünf Zentimeter Durchmesser, zu vernachlässigen.

Viel wichtiger ist es, auch bei den Sträuchern die Bedürfnisse der Vögel zu beachten und zumindest von Mitte März bis Mitte Juli nicht daran zu arbeiten, um die Brut nicht zu stören.

Auch im Hinblick auf den Neuaustrieb gibt es allgemeine Unterschiede: Beim Frühjahrsschnitt, wenn die Sträucher voll im Saftdruck stehen, ist der Austrieb wesentlich kräftiger als beim Schnitt im Herbst oder Winter. Dies können Sie sich zunutze machen, indem Sie z.B. einen radikalen Rückschnitt, der schnell wieder nachwachsen soll im Frühjahr durchführen. Die Sträucher, die weniger stark wachsen bzw. austreiben sollen, schneiden Sie besser im Herbst.

Frühjahrs- und Winterblüher richtig schneiden

Rueckschnitt-nachher

Nach dem Verjüngungsschnitt – ca. 50% Altholz herausgsägt

Rueckschnitt-nachher

Vor dem Rückschnitt

Der Häufigste Fehler beim Gehölzschnitt: Das „Frisieren“. Sträucher sollen möglichst natürlich, also frei wachsen können. Nur einige Triebspitzen oben abschneiden oder gar mit der Heckenschere „gleichmäßig abrasieren“ führt zu unnatürlichem Wuchs. Die Äste treiben an den Schnittstellen wieder mehrfach aus und verzweigen sich. Schneiden Sie immer nur oben, wird der Strauch im unteren Bereich verkahlen und oben wird er zu dicht (linkes Bild).

Die Sträucher, die im Frühjahr am einjährigen Holz blühen, lichten Sie am besten jährlich  aus, indem Sie 10-20% der alten Äste direkt am Boden abschneiden.  Auf starken Rückschnitt reagieren die meisten Sträucher mit umso stärkerem Neuaustrieb.

Die Alternative, wenn Sie nicht jedes Jahr schneiden möchten: Schneiden Sie alle 3-5 Jahre etwa die Hälfte des Altholzes an der Basis heraus, also am Stamm bzw. am Boden (Forsythie, Weigelie, Spierstrauch usw.).

Sommer- und Herbstblüher

Schmetterlingsstrauch

Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch genannt, ist ein wüchsiger Sommerblüher.

Bei Sommerblühern am diesjährigen Holz, wie z.B. Lavendel, Sommerflieder, Hibiskus usw., werden die einjährigen Triebe auf „Zapfen“ mit 3-6 Augen (das sind austriebfähige  Seitenknospen) geschnitten. Dieser kräftige Schnitt erzwingt einen Neuaustrieb aus der Basis  heraus. Die Blüten erscheinen dann im Sommer an den Enden diesjähriger Triebe. Deshalb  werden diese Sträucher im Frühjahr bis spätestens Anfang Mai geschnitten.

Rosen gehören ebenfalls in diese Kategorie. Man schneidet Edelrosen auf 2-3, Polyantharosen auf 3-4 und Bodendeckerrosen auf 6-8 Augen. Bei Kletterrosen wählt man die kräftigsten 3-4 Triebe zum Hochbinden aus. Starke, vorjährige Triebe werden dann auf 2-3 Augen geschnitten.  Sind die Leittriebe nach einigen Jahren überaltert, werden sie durch junge, kräftig wachsende Triebe ersetzt.

FelsenbirneManche Gehölze treiben nicht so leicht aus.

Während fast alle der ersten beiden Gruppen zuverlässig aus dem alten Holz oder gar aus der Basis austreiben, gibt es einige Sträucher, die dies nicht können. Sie treiben gar nicht  oder nur am jüngeren Holz aus – verjüngen sich also kaum, oder sie verlieren ihren natürlichen Habitus.

Diese Pflanzen werden nicht oder nur in Ausnahmefällen zurückgeschnitten, z.B. wegen Platzmangel oder Überalterung. Zu dieser Gruppe gehören Pflanzen aus der Familie der Heidegewächse, also Rhododenren, Azaleen, Eriken oder Kamelien. Außerdem noch Fächerahorn, Schneeball und Felsenbirne und alle Gehölze mit ausgeprägter Terminalknospe.

Formschnitt-ZypresseAuch fast alle Koniferen sind nur bedingt oder gar nicht in der Lage, sich aus altem Holz zu regenerieren. Sie können also bei einem starken Rückschnitt ins alte Holz nicht mehr austreiben und sehen dann für lange Zeit oder für Immer ziemlich traurig aus. Bei Thuja- oder Zypressenhecken ist das oft zu beobachten.

Werden solche Gehölze zu groß, bleibt meist nur die komplette Rodung. Manchmal kann aber auch ein kleines „Kunstwerk“  daraus entstehen. Lichten Sie die Gehölze aus und regen die wuchsaktiven Ast-Enden durch vorsichtigen Formschnitt zu stärkerem Wachstum an, kommen zuweilen interessante, skurrile Wuchsformen zum Vorschein. Diese Art des Formschnitts bedarf jedoch einiger Erfahrung und gestalterischen Geschicks.

Übrigens ist die Eibe als einziges Nadelgehölz auch aus dem alten Holz, ja sogar aus dem Stamm noch voll austriebfähig. Große Bäume können also wieder in ihre gewünschte Größe zurück geschnitten werden. Die Eibe eignet sich auch gut zum Formschnitt.

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